Ihre Stimme zitterte, aber sie redete weiter, als ob sie wollte, dass ich jedes Detail wusste.
„Ich wollte die Tür öffnen… und Oma hat sie nicht geöffnet. Sie hat das Fenster nur einen Spaltbreit heruntergekurbelt.“
Meine Hände umklammerten das Lenkrad fester.
„Was hat sie gesagt, Baby?“
Lilys Augen füllten sich erneut mit Tränen. „Sie sagte… ‚Geh wie ein Streuner im Regen nach Hause.‘“
Ich fühlte mich wie vor den Kopf gestoßen. Nicht, weil es schockierend war – in meiner Familie gab es immer schon verletzende Seiten –, sondern weil es zu meinem Kind gesagt wurde. Zu meinem sechsjährigen Kind.
„Und Opa?“, fragte ich, und fürchtete mich schon vor der Antwort.
„Er beugte sich vor und sagte: ‚Wir haben keinen Platz für Sie.‘“
Lilys Unterlippe zitterte.
„Ich sagte ihnen, es regnet. Ich sagte ihnen, es sei weit weg. Ich sagte: ‚Bitte, es schüttet wie aus Eimern.‘“
Sie umarmte sich selbst, als ob sie sich an die Kälte erinnern wollte.
„Und dann war da Tante Miranda“, fuhr Lily fort. „Sie sah mich an, als ob… als ob es ihr egal wäre.“
Dieser Name weckte etwas Hässliches in mir. Miranda – meine Schwester, der auserwählte Mittelpunkt der Familie. Diejenige, auf die sich alles zubewegte, egal wer dabei zu Schaden kam.