Danach habe ich sie nie wieder korrigiert.
Wenn es ihr für eine Stunde Frieden bringen würde, Claire zu sein, könnte ich Claire sein.
Sechs Monate später rief der Heimleiter an.
Ruth war friedlich im Schlaf verstorben.
Ich hatte nicht erwartet, dass mich die Trauer so hart treffen würde. Sie war nicht meine Großmutter. Sie kannte nicht einmal meinen richtigen Namen.
Und doch… hatte sie meine Hand gehalten, als ob es darauf ankäme.
Ich war bei der Beerdigung.
Die Kapelle war klein, erfüllt von sanfter Orgelmusik und blassen Blumen, die um einen schlichten Holzsarg arrangiert waren. Ich stand ziemlich weit hinten und war mir unsicher, ob ich überhaupt dorthin gehörte.
Nach dem Gottesdienst kam ein großer Mann in seinen Fünfzigern auf mich zu. Seine Augen waren rot, aber freundlich.
„Du musst der Freiwillige sein“, sagte er sanft. „Mama hat von dir gesprochen. Oder… sie hat von Claire gesprochen.“
Mir schnürte es die Kehle zu. „Mein aufrichtiges Beileid.“
Er nickte und griff dann in seine Jackentasche. „Ich möchte dir etwas zeigen.“
Er reichte mir ein abgenutztes Foto aus dem Jahr 1982.
Darin stand eine junge Frau in meinem Alter – blondes Haar fiel ihr über die Schultern, sie hatte ein schiefes Lächeln und ein leichtes Grübchen in der linken Wange.
Mir stockte der Atem.
Sie sah aus wie ich.