Eine Krankenschwester berührte sanft meinen Arm und schüttelte leicht den Kopf.
Später erklärte sie im Flur: „Ihre Tochter Claire ist vor Jahren gestorben. Ruth leidet an fortgeschrittener Demenz. Sie ist oft verwirrt. Es ist rücksichtsvoller, sie nicht zu korrigieren.“
Als Ruth also in der darauffolgenden Woche nach meiner Hand griff und sagte: „Claire, erinnerst du dich an das Haus am See? Du hattest Angst vor dem Steg“, widersprach ich nicht.
„Ich erinnere mich“, sagte ich leise.
Und von da an hieß ich Claire.
Jeder Besuch fühlte sich an, als würde man in die Erinnerungen eines anderen eintauchen. Ruth erzählte mir von „unseren“ Campingausflügen, wie ich ihr vor dem Gottesdienst die Haare geflochten hatte und wie wir an einem Weihnachtsfest Plätzchen verbrannten und den Ofen dafür verantwortlich machten.
Manchmal waren ihre Geschichten lebhaft und detailreich. Manchmal aber drifteten sie ab und verstummten mitten im Satz. Doch jedes Mal sah sie mich mit solcher Erleichterung an – als wäre etwas Zerbrochenes in ihr für einen Moment wieder geheilt.
Einmal habe ich den Fehler gemacht, sanft zu sagen: „Ruth, ich bin nicht wirklich Claire.“
Ihr Gesichtsausdruck verfinsterte sich so schnell, dass es mir den Atem raubte.
„Du bist es nicht?“, flüsterte sie. „Wo ist sie dann? Warum ist sie nicht gekommen?“
In jener Nacht weinte ich in meinem Auto.